Harninkontinenz am Tag

Group Of Children Playing Outdoors Together

Unter den vom Bettnässen Betroffenen besteht vor allem bei kleineren Kindern die Möglichkeit, dass sie auch von einer Inkontinenz am Tag betroffen sind. Dabei handelt es sich um die sogenannte kindliche Inkontinenz. Expertenschätzungen zufolge tritt das Einnässen am Tag etwa bei 15% bis 20% der Kinder auf. Ursachen dafür sind zumeist unterschiedlich. Beispielsweise können falsche Toilettenangewohnheiten, eine überaktive Blase, Störungen bei Blasenentleerungen, angeborene anatomische oder auch neurologische Störungen als mögliche Gründe genannt werden.

Beim Einnässen am Tag wird zwischen drei Typen unterschieden. Beim Spielnässen ist das Kind so sehr in das Spiel vertieft ist, dass es seinen Harndrang nicht wahrnimmt. Wenn es während dem Lachen oder Kichern passiert, spricht man von der Giggle-Inkontinenz. Beim Konfliktnässen geht dem unkontrollierten Harnverlust ein Streit oder ein Konflikt voraus.

Ganz gleich, in welchen Fällen das Kind einnässt: wie beim nächtlichen Einnässen ist der Besuch beim Arzt der erste Schritt zur Besserung. Beobachten Sie als Vater oder Mutter die Inkontinenz Ihres Kindes und teilen Sie alle möglichen Hinweise dem Arzt mit, um die Diagnose zu erleichtern.

“Mein Sohn nimmt sich nie genug Zeit für seinen Toilettengang “

Wenn Ihr Kind sich keine Zeit lässt beim Toilettengang, dann sollten Sie einen festen Rhythmus einführen, wann es aufs Klo gehen sollte – etwa alle zwei Stunden im Alter von sechs Jahren. Achten Sie darauf, dass das Kind bequem sitzt – die Oberschenkel sollten parallel zum Boden sein, die Unterschenkel im rechten Winkel hierzu und die Füsse bequem aufstehend. Stellen Sie dem Kind gegebenenfalls einen kleinen Hocker hin und bieten was Nettes zu lesen an, Hörkassetten oder ein Geduldsspiel.

Quelle: Elternratgeber Bettnässen von Gabriele Grünebaum

Blasentagebuch führen

Mit einem Blasentagebuch können Sie das Trinkverhalten und die Häufigkeit des Wasserlassens Ihres bettnässenden Kindes tagsüber und in der Nacht dokumentieren. Diese Informationen helfen dem Arzt bei der Diagnose und Behandlung des Kindes. Das Tagebuch wird auch Blasenprotokoll, Blasenkalender, Pipi-Tagebuch oder –Protokoll genannt.

Notieren Sie an zwei bis drei aufeinander folgenden Tagen, an denen Ihr Kind zu Hause ist, wie oft es auf die Toilette geht und nachts einnässt. Den Urin können Sie in ml in einem Massbecher oder Töpfchen messen. Wenn es eine saugfähige Windel, wie zum Beispiel die Pyjamahöschen von DryNites trägt, wiegen Sie die Windel vor und nach dem Urinieren (1 zusätzliches Gramm = 1 ml Urin). Pflegen Sie das Buch gemeinsam mit dem Kind, damit es bewusst mit der Situation umgeht, und Sie für die Vollständigkeit der Einträge informiert, wenn Sie mal nicht dabei waren. Es soll Ihnen sagen, wenn es auf der Toilette war, eingenässt hat oder auch Flüssigkeit zu sich genommen hat. Wenn möglich, sollte Ihr Kind an diesen Tagen, selber entscheiden, wann es zur Toilette muss.

Hier finden Sie eine einfache Anleitung, wie Sie ein solches Blasentagebuch führen können oder verwenden Sie dafür unsere Vorlage: Blasentagebuch

Trinkverhalten: Notieren Sie jedes Mal, wenn Ihr Kind Flüssigkeit zu sich nimmt, die Uhrzeit, den Namen des Getränks und die Trinkmenge.

Verhalten beim Wasserlassen: Messen Sie jedes Mal wenn Ihr Kind zur Toilette geht die Urinmenge mit Hilfe eines Massbechers oder einem Töpfchen und halten Sie die Uhrzeit fest. Schreiben Sie ausserdem auf, wenn Ihr Kind tagsüber eine feuchte oder nasse Unterhose hat oder auch die äussere Hose nass wird. Notieren Sie zudem, wann Ihr Kind Stuhlgang absetzt und ob dabei kleine oder grössere Menge Stuhlgang in die Unterhose entleert wird. Wenn Ihr Kind plötzlich und überfallartig Harndrang verspürt und die Beine zusammenpresst oder in die Hocke geht, können Sie dies unter dem Punkt “Drangsymptomatik” festhalten. Unter “Bemerkungen” können Sie weitere Informationen festhalten, wie zum Beispiel Medikamente, die Ihr Kind einnimmt.

 

Ein Protokoll wie das Blasentagebuch ist nicht immer einfach zu führen. Weisen Sie den Arzt darauf hin, wenn Sie den Eindruck haben, dass sich das Trinkverhalten und das Wasserlassen Ihres Kindes für das Tagebuch verändert haben.

Trinkgewohnheiten anpassen

Das Trinkverhalten kann ein möglicher Grund für das Bettnässen bei Kindern sein. Laut Expertenmeinung sollten Kinder bis zum Nachmittag etwa 75 % ihres Flüssigkeitsbedarfs zu sich nehmen. Das gelingt allerdings nicht immer.

In manchen Kindergärten oder Schulen wird zu wenig darauf geachtet, was und vor allem wie viel Kinder trinken. Häufig haben sie am frühen Morgen sowie vor dem Mittag keine Lust zu trinken, so dass sich die Flüssigkeitszunahme auf den Nachmittag und Abend konzentriert. Dies füllt die Blase gegen Abend. Die Urinbildung findet somit vermehrt in der Nacht statt. Wenn das Kind zudem einen tiefen Schlaf hat und nicht aufwacht, ist ein nasses Bett sehr wahrscheinlich.

Befinden sich Kinder in der Schule oder in Kindertagesstätten, so können Mütter und Väter keinen Einfluss darauf nehmen, wie viel Flüssigkeit die Kinder zu sich nehmen. Hier hilft es, wenn Kinder ihr Trinkverhalten tagsüber in einem ansprechenden Heftchen protokollieren. Sind Trinkgewohnheiten schriftlich festgehalten, dann können Sie sich ein Bild über das Trinkverhalten Ihres Kindes machen: Welche Getränke nimmt Ihr Kind zu sich? Wann nimmt es Flüssigkeit zu sich? Nun können Sie ungünstige Gewohnheiten erkennen und etwas dagegen unternehmen. Reduzieren Sie das Trinken von koffeinhaltigen Getränken, wie grünem oder schwarzem Tee sowie Kakao. Versuchen Sie die Trinkmenge Ihres Kindes über den Tag zu verteilen. Und weisen Sie die Kinderbetreuung oder Lehrer darauf hin, dass ihr Kind tagsüber regelmässig zum Trinken angehalten werden muss.

Der Besuch beim Arzt

Eltern bettnässender Kinder sind häufig unsicher, ob das nächtliche Bettnässen ihrer Kinder zur Entwicklung dazu gehört oder ob es ein Grund zur Sorge ist. Ein Arztbesuch kann in diesem Fall Klarheit schaffen. Kinder scheuen sich aber vor einem solchen Termin, da sie mit dem Arzt über ihr intimes Anliegen offen sprechen müssen.

Sie als Mutter oder Vater können viel dazu beitragen, um Ihrem Kind den Arztbesuch zu erleichtern. Erzählen Sie ihm, was es in der Arztpraxis erwartet:

Ausführliches Gespräch: Als erstes wird der Arzt mit Ihnen und Ihrem Kind ein Gespräch führen, um mehr über den Gesundheitszustand und mögliche Vorerkrankungen zu erfahren. Aber nicht nur körperliche, sondern auch psychische Auffälligkeiten des Kindes können für den Arzt interessant sein.

Besprechung des Blasentagebuchs: Experten raten dazu, ein Blasentagebuch für den Termin vorzubereiten. So kann sich der Arzt ein besseres Bild machen. Dokumentieren Sie mit Ihrem Kind mindestens eine Woche lang sein Trinkverhalten sowie den Toilettengang. Schreiben Sie auf, wie oft Ihr Kind im nassen Bett aufwacht und ob Ihnen sonst etwas beim Wasserlassen Ihres Kindes aufgefallen ist.

Körperliche Untersuchung: Nach dem Gespräch untersucht der Arzt das Kind am Körper. Dafür tastet er den Bauch und den Rücken ab. Gegebenenfalls wird der Arzt auch die Genitalien abtasten und Reflexe des Kindes analysieren.

Urinuntersuchung: Während des Arztbesuches muss das Kind Wasser in einen Becher lassen. Der Urin gibt dem Arzt weiteren Aufschluss über das Bettnässen und ob eine bakterielle Erkrankung als Ursache besteht.

Ultraschalluntersuchung: Weil der Arzt von aussen nicht alles sieht, wird er wahrscheinlich einen Test mit dem Ultraschallgerät durchführen. Das Einsehen der Bauchorgane, Nieren, Harnwege und der Blase geben ihm Aufschluss, wie es um die Organe des Kindes steht.

Diagnose und Therapie: Zum Schluss macht der Arzt eine Diagnose und versucht, die Ursache für das Bettnässen zu definieren. Auf Basis der Diagnose wird der Arzt Ihrem Kind eine Therapie verschreiben.

Erklären Sie Ihrem Kind, dass es vor dem Arzt keine Angst haben muss und er helfen kann. Binden Sie das Kind aktiv in das Gespräch in der Praxis mit ein. Das wichtigste ist, dass Ihr Kind spürt, dass es unterstützt wird.

Welchen Einfluss die Nieren und die Blase haben

Die Nieren

Unbemerkt leisten sie tagtäglich ihre wichtige Arbeit für unseren Körper. Über zwei Millionen Nierenkörperchen (Glomeruli) sind Tag und Nacht aktiv und filtern das Blut. Das gesamte Blut, das durch unseren Körper strömt, fließt mehrmals täglich durch sie. Flüssigkeit und einige Nährstoffe werden ins Blut zurückgeführt, während überschüssiges Wasser und Abfallstoffe zu Urin konzentriert werden. Sie liegen etwa auf der Höhe der unteren Rippen. Bei Erwachsenen wiegt eine Niere zwischen 120 und 200 Gramm, bei Kindern etwas weniger. Bei den meisten Menschen ist die linke Niere etwas größer. Über die Nierenarterie fließt das Blut zunächst durch die Rinde. Dort, genauer im Nephron, eine kugelförmige Struktur in der Nierenrinde, werden die Feststoffe von der Flüssigkeit getrennt. Diese Flüssigkeit nennt man Primärharn. Darin befinden sich jedoch noch verwertbare Substanzen für den Körper wie zum Beispiel die Zuckerart Glukose. Auf dem Weg durch Nierenrinde und -mark wird der Primärharn konzentriert, indem sich der Körper die verwertbaren Stoffe wieder zurückholt, und es entsteht der eigentliche Urin. Außerdem liegt hier noch eine andere Funktion für den Körper. Sie sind unter anderem für die Blutdruckregulation verantwortlich und sorgen für einen Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes im Körper.

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Sonne-Wolken-Kalender als Motivator

Oft sind Kinder bei der Behandlung vom Einnässen nur passive Teilnehmer und müssen die Therapien über sich ergehen lassen. Dabei kann ein aktiver Einbezug der kleinen Patienten in die Problemlösung einen positiven Effekt auf ihr Trockenwerden haben. Beispielsweise hat sich der Sonne-Wolken-Kalender für 15-20% der einnässenden Kinder als erfolgreich erwiesen. Das Kind malt am Morgen seine trockenen Nächte mit einer Sonne aus, die Nassen mit einer Wolke. So werden die Erfolge des Kindes sichtbar gemacht und können mit Lob und Aufmunterung verstärkt werden. Vorlagen für Sonne-Mond-Kalender, die mehr als Unterstützung und Motivation neben einer weiteren Therapie dienen, gibt es im Internet als kostenloser Download.

Tipps gegen den Uringeruch in der Matratze

Haben sich die Missgeschicke in der Nacht gehäuft, ist man irgendwann mit seinem Putz-ABC am Ende. Matratzen sind sehr schwierig zum Reinigen und Urin auch eine hartnäckige Verschmutzung. Sobald der Urin dann noch eintrocknet und sich zersetzt, kommt der unangenehme Uringeruch auf. Hier finden Sie hilfreiche Tipps, wie Sie Matratzen mit Hausmittel gut behandeln können:

  • Schützen Sie die Matratze von Ihren Kindern am besten schon vorgängig mit einem waschbaren Schonbezug – dieser hält das Gröbste weg.
  • Eine andere Möglichkeit sind die Drynites® Bedmats, die einfach zwischen Matratze und Leintuch gelegt werden können. Gerade für Kinder, die nur sehr unregelmässig einnässen und deshalb keine Nachthöschen tragen möchten eine geeignete Alternative.
  • Ist der Fleck gerade passiert, ist es am besten, den Urin mit Haushaltstüchern aufzusaugen. Je weniger sich festsetzt, desto besser!
  • Ist doch mal etwas auf die Matratze gekommen und der Urin ist schon eingetrocknet, hilft beispielsweise Zitronensaft und Essig. Einfach den Fleck mit den Flüssigkeiten leicht beträufeln und trocknen lassen. Anschließend kann man den Fleck abschaben oder ausbürsten. Allerdings bleibt meist noch ein Rand zurück.
  • Um den Geruch von Urin auf der Matratze zu entfernen, empfiehlt es sich ein Reinigungsprodukt mit Enzymen zu probieren. Diese enthaltenen Milchsäurebakterien, die tief in die Poren der Oberfläche eindringen und die dort abgelagerten, geruchsentwickelnden organischen Rückstände zersetzen.
  • Die Stelle mit einem Desinfektionsspray einsprühen.

Kontrollmechanismus der Blase

Neugeborene oder Kleinkinder produzieren tagsüber und nachts gleich viel Urin, was eine gleichmässige Wasserausscheidung zur Folge hat. In der Entwicklung verschiebt sich das Gleichgewicht dahin, dass nachts weniger Urin produziert wird als tagsüber. So werden Kinder mit zunehmendem Alter nachts trocken, weil die Blase nicht überfüllt wird. Dabei handelt es sich um Kontrollmechanismen unseres Körpers, die vom Antidiuretischen Hormon (ADH), oder auch Adiuretin und Vasopressin genannt, gesteuert werden. Dieses reguliert den Wasser- und Elektrolythaushalt und wirkt vor allem auf die Nieren ein. Je mehr von dem Hormon produziert wird, desto weniger Urin wird gebildet. So stellt der Körper sicher, dass während des Schlafens die Blase nicht überfüllt und unkontrolliert entleert wird.

Bettnässende Kinder haben diese Entwicklungsschwelle noch nicht erreicht. Die Kontrollmechanismen zur Steuerung der Blasenfunktion bilden sich also langsamer aus und das Hormon ist in zu geringen Mengen vorhanden. Die Blasengrösse reicht für die produzierte Menge an Urin nicht aus und der Körper muss Flüssigkeit ablassen. Hier müsste man sich denken, dass der Körper dies realisiert, das Kind aufwacht und auf die Toilette geht, was bei Kindern die nicht von Enuresis betroffenen sind der Fall ist. Bei bettnässenden Kindern spielen jedoch neben dem Hormonmangel und Blasenkontrolle die Schlaftiefe und Aufwachschwelle zusammen. Alle diese Faktoren sind unterentwickelt und das Kind wacht nicht von alleine auf, wenn die Blase überfüllt wird. Die Folge ist ein nasses Bett. Das kann sich jedoch mit den Jahren ändern, denn in vielen Fällen handelt es sich dabei lediglich um eine Verzögerung in der Entwicklung des Kindes.

Für Eltern ist also wichtig, die Geduld nicht zu verlieren und das Kind zu unterstützen. In einzelnen Fällen kann auch eine Hormontherapie helfen. Diese sollte jedoch frühestens ab dem fünften Lebensjahr in Betracht gezogen und vor allem mit dem Arzt ausführlich besprochen werden.

Stressfrei in den Tag starten

Eltern bettnässender Kinder müssen oft in der Nacht aufstehen, um die eingenässte Bettwäsche zu wechseln. Nicht nur das nächtliche Aufstehen, sondern auch der Wäscheberg, der tagsüber bewältigt werden muss, sind auf Dauer erschöpfend. Dabei gibt es einfache Tricks, den Aufwand und Stress im Alltag gering zu halten.

Bereiten Sie den Schlafplatz Ihres Kindes für die Nacht entsprechend vor, um die Wäsche für den Wechsel zur Hand zu haben. So können Sie die nächtliche Störung auf ein Minimum begrenzen. Wenn frische Bettwäsche sowie ein trockener Pyjama bereit liegen, muss nachts nicht mehr danach gesucht werden. Andere Familienmitglieder werden nicht aufgeweckt und die ganze Familie kann ungestört weiter schlafen.

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